Jugendkulturarbeit

Jugendkultur ist nicht auf den herkömmlichen Begriff “Kultur” begrenzt. Sie umfasst vielmehr alles was das Leben junger Menschen beeinflusst.

Jugendkultur ist dynamisch, sie unterliegt nicht den Gesetzmäßigkeiten der Erwachsenen, auch wenn immer wieder versucht wird Jugendkultur in Regeln zu fassen und zu institutionalisieren.

Wir kennen das aus der Musik- und Werbebranche, aber auch der Bereich Sport macht davor nicht halt. Meist sind es dann gar Mischkonstruktionen zwischen Sportorganisationen, Musikbranche und Wirtschaft. Beispiele dafür sind Streetball, Beachvolleyball, Beachsoccer. Dazu kommen dann noch Hip-Hop und Breakdance und andere von Jugendlichen entwickelten Bewegungen mit denen die Werbung der Wirtschaft versucht ihre Waren zu verkaufen, was sie bei vielen Jugendlichen dann auch schafft.  Dann versuchen selbst Pädagogen und Musiker den Jugendlichen einzureden, sie müssten bestimmte Dinge können oder tun, um “IN” zu sein. Ein Beispiel dafür ist die Hip-Hop-Sommerschule in Berlin: dort sollen Jugendliche “breaken” und “rappen” lernen können. In Wirklichkeit dient es den Pädagogen und Dozenten als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für sich selbst, denn natürlich wurde den Politikern und Behörden die Wichtigkeit eines solchen Projektes deutlich gemacht, damit es Zuschüsse gibt. Gerade die Pädagogen müssten eigentlich wissen, dass genau im Moment ihres Eingreifens die jugendliche Unbekümmertheit, Spontanität und Eigenständigkeit verloren geht, und dass es gerade bei Hip-Hop und Breakdance besonders auf eigene Gefühle und Erfahrungen ankommt, und nicht um eine technische Umsetzung und Imitation eines Lebensgefühls oder Lebenseinstellung.

Natürlich brauchen Jugendliche Räume um sich auszuprobieren, Ansprechpartner und Hilfestellung, aber man darf ihnen nicht den Eindruck vermitteln: “Breakdance und Hip-Hop kann jeder”, denn damit weckt man in den Jugendlichen die Hoffnungen die auch die Wirtschaft in der Werbung suggiert: “Man kann damit schnell viel Geld verdienen”. (stimmt, allerdings nur die Wirtschaft). Den Jugendlichen geht es häufig leider viel zu wenig um Spaß. Bei jeder Gelegenheit werden Streetball, Beachvolleyball- und andere Turniere mit der Möglichkeit des Gewinnens großer Preise ausgeschrieben. Da wird natürlich auch gleich eine Kleiderordnung festgelegt, die dann auch noch auf bestimmte Firmenmarken begrenzt ist. Die Auswirkungen sind: nur wer die teuren Markenklamotten trägt, zählt. Wer sich das nicht leisten kann, hat das Nachsehen. Oft wird dann die Kleidung, oder das zum Kauf nötige Geld, illegal beschafft.

Zum Glück entwickelt sich die Jugendkultur schneller als Wirtschaft und Pädagogen reagieren können. Vielen Jugendliche können sich mit den “vergesellschaftlichten” Bewegungen nicht mehr identifizieren. Es entstehen neue Style in der Musik, neue Kunstrichtungen, neue Spiele, die Sprache der Jugendlichen entwickelt sich und es entstehen neue Regeln.

Leider wird die Wirtschaft den neuen Entwicklungen immer schnell auf der Spur sein, denn Neues verspricht immer auch neue Gewinne.

Pädagogen sollten, um glaubwürdig zu bleiben, neue Trends in der Jugendkultur nicht zum Selbstzweck machen.

Der Akzent e.V. hat es sich in der Musik zum Prinzip gemacht, den Jugendlichen Räume zu schaffen und zur Verfügung zu stellen. Bei Bedarf wird Hilfestellung gegeben. Die Entscheidung welche Richtung eingeschlagen wird, entscheiden Jugendliche stets selbst. Es gibt keine inhaltlichen Vorgaben, die die Kreativität und Eigenständigkeit einschränken, geschweige denn, dass es irgendwelchen Zeit oder Erfolgsdruck gibt.

Beim Akzent e.V. sind 80% der Mitglieder unter 25 Jahre alt., das wirkt sich natürlich auch inhaltlich aus, und so soll es auch bleiben!